Vom Nutzen des Humors

von Ingeborg Stüber

Seit ich mich intensiv mit Kinderliteratur beschäftige – zunächst auf der Website www.denkpulver.org mit der Betrachtung/Bewertung von Kinderbüchern, die bereits auf dem Markt sind, und seit einem Jahr mit der Herstellung eigener Bücher – erscheint mir ein Aspekt dabei immer zentraler: der Humor! Als menschliche Eigenschaft, als Talent, Philosophie im Zusammenleben mit Kindern und nicht zuletzt als Element einer Erzählung. Aber wie zeigt sich Humor eigentlich? Wie lässt sich Humor beschreiben, eine griffige Definition finden? Meine Suche hat mich auf einen bemerkenswerten Abweg geführt. In diesem verwunschenen  Winkel ist mir eine bis dahin unbekannte Seite des Phänomens Humor begegnet: seine Nützlichkeit.

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Humor ist eine ernste Angelegenheit, lautet ein gerne zitierter Satz von … ja, von wem eigentlich? Wilhelm Busch, Loriot, Evelyn Hamann, Otto oder James Krüss? Es fielen mir noch viele geeignete Kandidaten – leider nur wenige Kandidatinnen – ein. Und man darf annehmen, dass der Satz ernst gemeint ist, von wem auch immer er stammt.
Und was macht den Humor zu dieser ernsten Sache? Schwierige Frage.
Wie gut also, dass es dieses Institut gibt: das Deutsche Institut für Humor. Auf dessen Website erfährt man zwar auch nicht, wer der Schöpfer dieser weisen Worte ist, aber ganz viel über seine Nützlichkeit und seine Nutzbarkeit! Und man kann lernen, wie man sich zum Beispiel als Unternehmer dieser Eigenschaft bedient. In Seminaren, ganz klassisch mit Powerpointpräsentation und Flipchart. Da ist zu lesen:
Wenn ein Chef Humor einsetzt, sinkt bei den Mitarbeitern die Burnout-Rate. Gleichzeitig steigen ihr Engagement bei der Arbeit und ihre Bindung an den Arbeitgeber.
Wenn das nicht eine ernste Angelegenheit ist und außerdem von einem ganz besonderen, abgründigen Humor zeugt! Man setzt dem trüben Arbeitsalltag eine rote Nase auf. An anderer Stelle heißt es dann:
Wenn Führungskräfte Humor benutzen, ist das generell eine gute Sache. Das haben verschiedene Studien bereits ergeben. Aber wie bei jeder Art von Kommunikation ist auch beim Humor wichtig, wie sie beim Empfänger ankommt.
Wer wagte da zu widersprechen! Die Autorin Dr. Kareen Seidler bezieht sich hier auf eine Studie der Psychologen Alexander Pundt und Laura Venz: Persönliches Strukturbedürfnis als Rahmenbedingung für Humor in der Führung (Journal of Organizational Behavior (2016)). Und schließlich bietet das Institut diverse Seminare zur praktischen Anwendung solcher Erkenntnisse an, bei denen dann zur Veranschaulichung neben den erwähnten Flipcharts auch lustige Handpuppen eingesetzt werden. Als Teilnehmer an einem solchen Seminar tut man also gut daran, selbst eine gehörige Portion Humor mit zu bringen.
Wer sich das nicht zutraut, kann sich aber auch ganz einfach online Hilfe holen. Dr.Vazrik Bazil, Präsident des Verbandes der Redenschreiber deutscher Sprache gibt auf der Seite www.pressesprecher.com nützliche Tipps zu mehr Frohsinn in der PR.
Wie zum Beispiel folgenden:
Rufen Sie in Ihrem Unternehmen das Projekt „Humor“ ins Leben und befassen Sie sich mit Wirkung und Einsatzformen des Humors!
oder:
Sammeln Sie methodisch Witze, die in Ihrem Unternehmen umlaufen, und analysieren Sie sie auf Inhalt und Tendenz.
Oder ganz besonders nützlich:
Binden Sie Fragen über Humor, Witz und Lachen in Ihre Mitarbeiterbefragungen ein. Dadurch gewinnen Sie wertvolle Informationen über das Betriebsklima und über das Verhältnis von Vorgesetzten und Mitarbeitern.
Ich frage nun: Hat dieser Mann Humor? Muss er wohl, sonst könnte er seinen Beruf nicht ausüben. Nach solcher Lektüre möchte man eine Kampagne starten zur Befreiung des Humors von seiner Nutzbarkeit und ihn für alle Zeit vor derartigen Ansinnen schützen. Aber nützt das?
Doch damit wir nicht stecken bleiben in dieser Seitengasse, die ja offensichtlich eine Sackgasse ist, zurück zur Ernsthaftigkeit:
Denn das ist Humor: Durch die Dinge durchsehen, wie wenn sie aus Glas wären. (Kurt Tucholsky)

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